09.12.2007

Stefan Zweig

Stefan Zweig 1924:

„Eine edle und kostbare Kunst scheint ihrem Ende entgegenzugehen: die Kunst des Briefes. Was sie so wundervoll machte und ihr ein so weit verbundenes Leben, einen so einzigen Reichtum verliehen hat war, daß diese Kunst nicht wie alle andern allein an die Künstler gebunden blieb: Jedem einzelnen Menschen war es gegeben, seinen Augenblicken inneren Aufschwungs und einer nur vorübergehend in ihn eingebrochener Beseelung im Briefe Ausdruck zu verleihen. Man gab einem Freunde, einem Fremden, was man vom Tage empfing, ein Geschehnis, ein Buch, ein Gefühl, gab es weiter mit leichter Hand ohne die Prätension eines Geschenkes, ohne die gefährliche Anspannung, für ein Kunstwerk verantwortlich zu sein. So entstanden in vergangenen Zeiten zahllose kleine Wunder der Wahrheit in einer stillen Welt, in der noch der Brief bindende Kraft und die Botschaft von Mensch zu Mensch beschwörende Gewalt hatte.“ Als Vernichter dieser Kunst sah Zweig die Zeitung, die Schreibmaschine und das Telefon.



Quelle ist ein nicht so irre toller Artikel
Christel Berger, Briefe aus dem 20. Jahrhundert [8.12.07]

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