Kleine Notiz zum Wort Hausstand
»Ich bin aber sicher, daß das alles besser wird, wenn unser Hausstand sich belebt.« (erster langer Brief a. d. Mutter)
- Der Hausstand meint irgendwie den Haushalt, also auch die Besorgungen etc. Aber es meint auch irgendwie das installierte eheliche Zuhause, wenn ich es richtig verstehe. Das, was die Braut mitbringt, in Kombination mit dem, was der Mann schon dagehabt hat und dem, was man gemeinsam anschafft, um zusammen zu wohnen: also die Ehe zu vollziehen und mit der Wohn-Statt das Materielle in die Ehe ›einzuschreiben‹. Das wird installiert. Und dann muss es sich beleben: weil die Ehe anfängt ›zu sein‹, also zu leben.
- »Der Hausstand« repräsentiert (steht symbolisch für) die Festigkeiten des Tradierten. Eine Festigkeit, die sich im Zeugs vergegenständlicht, mit dem man sich einrichtet. Man fügt es in sein Wohn-Ich ein.
- Die preußische Heirat ist Resultat und Fundament der Tradition, und man installiert diese Tradition, indem man sich mit ihr buchstäblich einrichtet. – Um dann zu hoffen, dass es sich belebt.
- Dass es sich beleben müsste (und dann würde alles besser), ist mehr als ein Wunsch. Es ist fast eine natürliche Erwartung. Das ist (soll sein) Effis Natur. Besonders ist eben, dass Effi mit der gleichen Blauäugigkeit (Natürlichkeit?) eine Belebung wünscht, mit der sie auch im Rhabarber herumsprang, in die Ehe ging usw. (Diese Ambivalenz ist auch mit der Infantil/Erwachsen-Dichotomie gemeint.)
- Allerdings: warum sollte sie sich nicht (wie es sich eben gehört) den Hausstand ›hinstellen‹ und dann (er)warten, dass er sich von selbst belebt? Da er (und alles was er symbolisiert) es aber nicht tut, wird eben sie sich bewegen. Da es eine echte, natürliche Bewegung sein soll, ist es eine Davon-Bewegung: weg vom Hausstand.