Hallo zusammen,
natürlich habe ich den Blog aus rein pragmatischen Gründen eingerichtet. Aber es liegt – so ist es immer, wenn man über Dinge der Kommunikation spricht – natürlich auf der Hand, dass wir es dabei bereits um eine eigentümliche Form des von mir zuletzt so explizit angesprochenen Briefe-Problems zu tun haben.
Ich würde einen Blog als ein bestimmtes Medium zum schriftlichen oder anders gebundenen medialen Austausch beschreiben. Als solches eignem ihm bestimmte Charakteristika. Zum Beispiel handelt es sich um einen asynchronen Austausch: Der gemeinsame Kommunikations-Raum ist nicht von der Zeit bestimmt. Er unterscheidet sich also vom »leiblich kopräsenten« Reden auf doppelte Weise: Man muss weder im gleichen Raum sein, um zu kommunizieren, noch in der gleichen Zeit. Das hat er mit dem Briefeschreiben gemeinsam, nur gibt es da keinen gemeinsamen Speicher. (Hier findet der Austausch sogar komplett innerhalb dieses Speichers statt!) Beim Telefonat dagegen gibt es eine bestimmte Form von echter Präsenz, obwohl man nicht im gleichen Raum ist: Das Präsens!
Nun kann man den Blog, wie alle anderen Medien auch, sehr gut beherrschen. Und das wirklich bemerkenswerte ist dann (und Uli erinnert sich vielleicht jetzt an den Phillip Auslander Text), dass man sich innerhalb des Mediums irgendwann so gut zurechtfindet, dass man für bestimmte Dinge irgendwann vielleicht das Medium der »leiblichen« face-to-face Kommunikation vorzieht. (Ich finde den Audruck face-to-face sehr brisant, und interessiere mich i.M. aus diesem Grund sehr für den Blick, z.B. als einzige Form von echt synchroner Kommunikation). Als Appell an die Lektürerschaft: auf die etwaige Beschreibung von Blicken oder face-to-face-Kommunikationen im Roman achten und unter dieser Folie lesen. Solche Lektüre dokumentieren!
Es ist eine in höchstem Maße dialektische Angelegenheit. Keinesfalls nur problematisch, das Gespenster-Briefe-Blog-Schreiben etc. Es ist auch eine wunderschöne Kulturtechnik – wenn man damit umgehen kann UND vielleicht ein besonderes Gespür für die Merkwürdigkeiten und Gefahren hat. Professionelle Geisterbeschwöruing also: »Vives les fantômes!«
Noch besonders an einem Blog ist – und das ist in diesem Fall deaktiviert – die unsichtbare Öffentlichkeit. Die gibt es im Normalfall. Ich habe das vor einem halbe Jahr mal ausprobiert und angefangen was zu texten – http://fanshawe.blog.de – und einen einzigen Kommentar erhalten. Was ich schonmal erkannt habe ist die krasse Regung: sich zitternd Feedback zu wünschen, nachdem man etwas in diesen immateriellen Raum der Unsichtbaren gerufen hat. Ein wichtiger Faktor.
Mehr folgt – bei Gelegenheit, zu irgendeiner Zeit. Ich freue mich über rege Beteiligung. ab jetzt vielleicht sogar ein eindringlicher Appell an alle Teilnehmer; mindestens zum Lesen; und vielleicht ("oh, bitte, oh bitte!") wenigstens ein bisschen Feedback per Kommentar?
Liebe Grüße!
David
17.12.2007
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1 Kommentar:
Was soll ich sagen? Ich bin doppelt in diesem Nicht-Ort. Und ich beobachte an mir selbst eine Äußerungs-Hemmung in diesem Rahmen. So viel leerer Raum will gefüllt werden und da alles ein Speicher ist, überdenke ich jedes Wort und jeden Satz dreimal, bewerte, lösche re-formuliere... Alles ist fixiert, und irgendwie öffentlich.
Mir fällt gerade auf, dass ich allgemein eigentlich nur extrem knappen Schriftverkehr betreibe.
Ich lass das jetzt mal so stehen, ich hab nämlich leider keine Zeit mehr, drüberzulesen. Sagen wir das ist ein Anfang. Ich finde die Idee eine Blogs gut. Auch wenn es sich absurd anfühlt so zu schreiben.
Aber vielleicht ist es genau das. Wahrscheinlich.
a
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