19.12.2007

Speichern

A:
Ich denke: Warum verschwindet alles in den Büchern. Da gehört es nicht hin. Ich muss es ja rausholen, und ich spreche ja, um darüber zu sprechen, zu hören, was sie dazu sagt. Wie kann man damit leben, dass der Speicher unlebendig ist, solange er nicht aufgeklappt wird. Dass mein Brief eine Botschaft ist, und nicht nur meine Botschaft, wenn er unterwegs ist. Oder ich schreibe ein Buch, und: ja, es geht nicht ohne dass ich ein Buch schreibe. Aber zum Beispiel das, worauf Vlastos bei Platon hinweist. Platon hat darauf hingewiesen. (Vlastos hat darauf hingewiesen, dass Paton darauf hingewiesen hat.) Ich weise darauf hin, dass Vlastos auf das hingewiesen hat, worauf Platon zum ersten Mal hingewiesen hat: Dass die Gedanken und die Erkenntnisse nichts sind, was Bestand hat. Sie können auch erlöschen; und dass das gegenseitige Erzeugen von Erkenntnissen etwas Schönes ist und erregt; dass es erotisch ist. Dass daher, weil man an den Dialog glaubt, und die Möglichkeit nachzufragen, der Zweifel am geschriebenen Wort kommt. Mehr natürlich: an der ganzen geschriebenen Rede. Nussbaum wiederum hat darauf hingewiesen, dass Platon das schreibt (anstatt es zu sagen), weil er auf die Befruchtung des Geschriebenen im Leser durch das Literarische zählt, auf einen Zweifel des Lesers an den Aussagen und, im besten Fall, auf eine Entscheidung für etwas, das im Text vorgeschlagen wird. Aber was schreibe ich da? Das habe ich mir halt gedacht, weil ich es gelesen habe; aber damit stehe ich jetzt allein, vielleicht könnt ihr ja gar nicht anschließen. Ich weiß das aus Büchern: aus bestimmten! Aber ich habe ja einen Grund, dass ich das erkläre, nur kann ich euch nicht zwingen, das zu lesen. Und ich kann es jetzt auch gar nicht beschreiben. Es wäre ein dickes Buch, mindestens eine Hausarbeit. Aber ich will's doch tun! Warum kann man nicht einfach aufschreien, es nicht einfach ausschreien? Wenn ich mit F., in diesem fruchtbaren Gespräch vorhin, im Gespräch etwas entdecke, in der Bar: Aufschreien, weil es sonst im Gespräch verschwindet. Und wenn ich es denn aufzeichnete: man es sich wieder anschauen müsste, nachdem es gespeichert herumlag, und in eine andere Zeit, zu anderen Ohren wandert, die uns beobachten würden. Und weil ich so große Mühe hätte, es jetzt alles zu protokollieren. Das war alles viel mehr, als ich heute Zeit hätte. Bis es morgen dann weg ist. Weil es auch lächerlich wäre, ein Protokoll über einen Abend anzufertigen. Es wird nicht gespeichert! Kann ich es nicht bitte ausrufen, kurz, damit es alle hören und es sich verbreitet? Dass es in allen Ohren gespeichert bleibt, ohne dass es stirbt?

Geht das?

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