…Ob wohl die beiden gelben Alternativen (Brief/Anruf) als Alternative zur Sackgasse (Straße dahinter) aufgestellt wurden, oder ob das Schild auf die Sackgassenhaftigkeit beider Alternativen verweist?
Dabei fällt mir auf: Die einzige gelbe Telefonzelle, die ich noch kenne (eine Generation später), steht hier in der Steingrube. Das ist nur insofern traurig, als es zeigt, dass Hildesheim sogar der Deutschen Telekom total wurscht ist. Ansonsten ist es sehr schön, weil sie ein Artefakt darstellt aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, in der man erstens keine Handys hatte (wie ich jetzt z.B. wieder keins mehr habe), und in der eben Telefonzellen noch gelb waren! Da steckte einfach was anderes drin als in puffrosa und Broker-grau. Vor allem (wie man hier sieht), etwas, das mal gleichzeitig mit der Briefpost gedacht und unter einem Dach institutionalisiert war! Sehr interessant, wie ich finde. Das Telefon auf der Straße wurde assoziiert mit dem Posthorn, in das man reintutet. …Wow! dazu fällt mir just ein GEILES passendes Fontane-Zitat ein, das ich gefunden habe. Es betrifft unser ausgewähltes Büchlein, es betrifft die Art, wie es aus seiner Feder zu uns gefunden hat, und es betrifft das fantôme, das dadurch für uns entstanden ist: Herr Fôntane. Es betrifft außerdem die Frage der Psychoanalyse (die da auch schon Derrida interessiert): Fontanes depressive Schreibkrise während Effi & ihre Überwindung durch das Schreiben einer Autobiografie auf ärztliche Empfehlung – und den positiven Effekt, den wir in den Händen halten. »Vives les fantôme!« sagt nämlich Fontane in einem Brief an jemanden:
Effi Briest sei aus ihm beinahe unkontrolliert herausgeflossen, ihm geradezu eingegeben worden, wie von selbst gekommen, wie ein »Mundstück, in das von irgendwoher hineingetutet wird«!
Jedenfalls waren Telefonzellen früher mal gelb. Ich glaube, das hat nicht wenig mit der goYello-Kampagne »Strom ist gelb« zu tun. Konsequenterweise müssten eigentlich auch alle Züge gelb sein, aber der einzige gelbe Zug, den ich kenne, ist der gelbe, bereits gepostete Post-TGV…
…mit dem die Briefe wirklich sehr schnell übers Land jagen. Das war im Zusammenhang mit der Phänomenologie der Kommunikationsmedien (Link über's Bild). Mit der puffrosa/brokergrau gewordenen Telekom und überhaupt der ganzen widerlichen Privatisierung der staatlichen Infrastruktur-Monopole hätten wir – ganz im Ernst – zu Effi's Tränchen beim vorüberfahrenden Zug eine politische Dimension im Spiel. Die Phänomenologie des Zwischenraums der Kommunikation bei uns (Telekom, Post, DB) und Effi (Phänomene: donnernde Züge, Tränchen im Auge / dahinter schimmert poetisch: sich vorstellen, wie der Zug in Hohencremmen klappernd vorbeifährt, Link zur Textstelle).
(Kurze Begriffsklärung: Die Phänomenologie unterscheidet zwischen den Erscheinungen (Phänomene) und dem, was dahinter möglicherweise liegt (Intentionalität). Derrida dekonstruiert auch diesen philosophischen Versuch, klare Erkenntnisse zu gewinnen. In der Poesie aber kann man da schon ergiebig forschen: das Tränchen / das Heimweh!)
Hier drei Phänomene auf einen Schlag und auch noch bei der Verantwortlichen Stelle:
Ist jemand ebenso allergisch auf das zeitgenössische Phänomen Privatisierung und hat Lust, eine Verknüpfung zur fantôme-Frage bereitzustellen: eine Schimpftirade gegen die Privatisierung auszuarbeiten (die automatisch eine Tirade gegen die Privatisierung des Zwischenraums wäre, und das ist echt neu) – und diese in den Proben anzubieten? Ich fänd das ein recht cooles Material…!
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