jetzt habe ich wieder eine lange theoretische Antwort gepostet. Zuerst aber zum Protokoll: Eiei, das ist schwierig, nach einer Woche, ich habs mir schon gedacht. Speicherproblem.
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Es gibt ein paar Punkte, über die wir geredet haben, zu denen es Notizen gibt, aber eben nur von mir. Dazu gehört Ulis interessante Bemerkung, dass man Kommunikation als etwas zwischen Austausch und Ausschluss definieren kann. Zum Beispiel, dass zwei kommunizieren, und das andere ausschließt. Eine einfache Feststellung, die aber auf vielen Ebenen angewendet werden kann. Zum Beispiel in der noch immer ausstehenden Szenerie unseres Abends.
Dazu gehört eine Diskussion von Malte und Sandra/Anna, die eine inhaltliche war, und, wenn ich es richtig verstanden habe, auf unterschiedlichen Positionen gegenüber der Frage beruhte, ob der Anspruch auf einen einzigartigen Liebespartner heute genauso falsch wäre wie früher, oder nicht. Stimmt das?
Wir haben lange diskutiert, ob und inwieweit wir den Blog hier öffentlich machen und ob wir das publizieren. Die Einigung war: öffentlich ja, publizieren nein. Darum ist er auch seit dem 21.12. öffentlich.
Ich habe ein wildes Referat gehalten, vor allem über den Blick, als etwas, was zwischen Sprache und Körper steht. Eine andere Fusion, die ich zur Diskussion gestellt habe, wäre das gemeinsam gelutschte Bonbon. Das als ein Theorie-Praxis-Bezug, wie ich ihn mir vorstelle. Ich habe darauf hingewiesen, dass ich mir durchaus nicht eine Vorstellung vorstelle, in der diese Theoriewalze ausgefahren wird. Der Theorie-Praxis-Bezug wäre zum Beispiel das Bonbon (Farbe). Das ist etwas Theatrales an der problematisierten Frage nach der Kommunikation. Ich bitte, zum Beispiel die aufgestellten Fragen an Effi Briest und an die Kommunikation ohne Abstriche und 1:1 auch auf die Situation anzuwenden, die wir am 1.März zu produzieren gedenken: Leute einladen, und etwas vorbereitet haben. (Das gilt auch für die Auflistung unten.) Dies vielleicht auch als kleine Anregung für nächste Woche.
Ich habe außerdem auf die Phänomenologie derjenigen Instanz hingewiesen, ohne die letztlich die Briefe, und daher auch nicht die großen Entfernungen etc. möglich gewesen wären: Züge und Effis Faszination für diese großen gewaltig dahinbrausenden Dinger (mit einem Tränchen im Auge), die doch ausgerechnet von Kessin über Berlin fahren, und die man in Hohencremmen dann aus der Ferne vorbeirauschen hört. Ach!
Nicht gekommen bin ich darüber, weiter aus Fontanes Autobiografie vorzulesen, die er auf ärztliche Empfehlung geschrieben hat, um über seine Schreibkrise während Effi Briest hinwegzukommen. Da wäre also gekommen, wie seine Mama ihn mit der Drahtbürste kämmt bis das Blut kommt, getreu dem Grundsatz »›Nur nicht weichlich.‹ Dies ist gewiss ein sehr guter Grundsatz und ich mag ihn nicht tadeln, trotzdem er mir nichts geholfen und zu meiner Abhärtung nichts beigetragen hat; aber wie man sich dazu stellen möge, meine Mutter ging im Hartanfassen dann und wann etwas zu weit. … Freilich, wenn ich, was möglich ist, dieser Prozedur verdanken sollte, dass ich immer noch einen bescheidenen Bestand von Haar habe, so habe ich nicht umsonst gelitten und bitte reumütig ab.« (Meine Kinderjahre) Es gibt 'ne Menge sehr deutlicher Bezüge zwischen der Autobiografie und Effi Briest! Und ich muss einfach gestehen, dass ich etwas für diesen Humor übrig habe.
Vorgeschlagen habe ich außerdem eine Ordnung in unsere Möglichkeiten (nach Belieben anfechtbar). Das ist noch divers; wir kommen bis Mitte Januar in eine klare Richtung:
FORMEN
- Erzählen / Erklären (face-to-face)
- Vorgänge
- Kostüm tragen (ich versuche original 19.-Jhd. Kluft zu bekommen. Als Vorgang zu verstehen, da muss man nichts dazu machen, kann man einfach anhaben. Fänd ich toll.
- Fahrradfahren
- Sachen dahaben, benutzen, kaputtmachen. Einen Tisch z.B. mit einer Büste, unseren echten privat gehorteten Briefen in Stapeln (die würde ich gerne schreiend durch den Raum tragen), Radio usw. Der Tisch übrigens als ein materialisierter Abstandhalter zum Publikum. Mein Blickreferat enthielt die These, dass Kommunikation nur und ausschließich auf Distanz möglich ist. Daher das Bonbon als leckeres Rätsel.
- Interagieren (wir oder Publikum)
- Telefonieren
- Briefe schreiben
- Szenen spielen (zur Demonstration! Etwas zeigen.)
- Interviews führen
- Zwischenschaltung verschiedener Medien (zum Beispiel ein Mikro, ein anderer Mensch oder ein Telefon etc.) Als Repräsentation / Live-Analogiebildung zu Problematiken der Medialität (dem Briefeschreiben natürlich etc.). Whatever you suppose is a medium.
- Effi-Briest-Themen
- Briefe und alles was dazugehört
- Raum (/Raumtheorie, /Medientheorie /Philosophie)
- Adoleszenz vs. Infantilität (Psychoanalyse, Philosophie)
- degenerierte Preußengesellschaft vs. Natürlichkeit und was soll das sein (Sozial-, Geschichtswissenschaft, Philosophie etc.)
- …
- Briefe und alles was dazugehört
- Beschäftigung, echte Themen
- s.o. in den Klammern
- Beschreibung von -, Spiel mit -, Dekonstruktion von Kommunikation. Dazu gehört in erster Linie der Brief und alles was dazugehört. Zum Beispiel das Telefonat und das Weblog.
- …
Zur Zusammenfassung wichtiger Momente (außer, dass es sehr angenehm war in mit Euch in meinem Salon) gehört aber noch viel anderes. Zum Beispiel, dass Malte angab, eigentlich keine Schwierigkeiten zu haben. Und ich gebe zu, dass meine Erinnerung in Bezug auf diesen Abend nicht nach dem Prinzip der Linie sondern nach dem Prinzip des Haufens funktioniert. Bei der nächsten Diskussion sollte anständig dokumentiert werden. Weihnachten war im Weg. – Abgesehen davon, dass ich glaube, dass nichts weg ist, und dass im Moment noch alles Zeit hat, wieder nach oben gespült zu werden: hat noch jemand mehr? dann schreibt's.
…Jessas, jetzt kommts aber zackizacki. Nächster ewiglanger Post ist schon abschussbereit. Eine schicke Ausdruckfunktion bei blogger.com habe ich noch nicht gefunden.
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