ihr glaubt nicht, was mir passiert ist. kurz vor dem jahreswechsel, nahe der schönhauser allee, sagt mir eine freundin, ich solle die "relevanz meiner aussagen" prüfen. genau genommen attestierte sie mir, genau dies nicht zu tun.
dass es mir bei gesprächen eher darum ginge, sachen aus meinem kopf zu herauszubekommen, sie dagegen prüfe die RELEVANZ DER AUSSAGE für ihr jeweiliges gegenüber.
ja, es hat ja jeder eine andere form von mitteilungsbedürfnis.
was soll die scheiße, habe ich gedacht, ich soll also, bevor ich jemandem etwas sage, darüber nachdenken, was meine AUSSAGE für ihn bedeutet, wie RELEVANT sie für ihn ist?
die freundin fühlte sich neben mir als gesprächspartner austauschbar, wie eins von davids Phantomen. später bekam ich ein kleines schlechtes gewissen, weil ich meine große persönlichkeit vor wandelnden empfängerstationen wortreich und ohne rücksicht auf verluste ausbreite, doch mittlerweile sehe ich das anders.
ich war echt pikiert und habe mich bei der freundin über ihre unsensible wortwahl beschwert. sie erklärte mir, in letzter zeit möge sie das wort "relevanz" sehr gern.
hoffe, ich bin morgen pünktlich - a2 und so. kisses.
02.01.2008
30.12.2007
Alles Gute
»Vielleicht sollte man überhaupt zufriedener sein, auch ich, der ich doch eigentlich nicht zu den Unzufriedenen gehöre. Aber ich ertappe mich jetzt beständig auf großen und kleinen Verbittertheiten, mindestens auf innerlichen Kopfschüttelungen. Ich habe nun mit zwei großen und ernsten Arbeiten Glück gehabt und doch auch wieder gar kein Glück … Dies Schicksal begleitet mich nun durch dreißig Jahre. Die Sachen von der Marlitt, von Max Ring, von Brachvogel, Personen, die ich gar nicht als Schriftsteller gelten lasse, erleben nicht nur zahlreiche Auflagen, sondern werden auch womöglich ins Vorder- und Hinterindische übersetzt; um mich kümmert sich keine Katze. Es ist so stark, daß es zuletzt wieder ins Lächerliche umschlägt. Und das rettet mich, sonst würd ich leberkrank.«
Theodor Fontane an seine Frau Emilie
Berlin, 15. Juli 1979
Liebe Freunde, es ist eine kleine niedliche Koinzidenz, dass ich auf den Arche-Literaturkalender geschaut habe, der auf Gesichtshöhe hängt, wenn man bei uns auf dem Klo sitzt. Wer schaut mich da an? Fontane. Heute hat er Geburtstag, wird 188 und ich sende ein Salut, Prost Neujahr, und verabschiede mich mit dem Hinweis: Doch! wir kümmern uns um ihn. Übrigens finde ich besonders toll, dass laut Maltes Zeit-Artikel die allermeisten Blogs Katzen gewidmet sind.
Ich hoffe, ihr sehr mir die Textmassen nach, die gestern von mir zu euch flossen und dass ihr ein schönes Sylvester habt, bis bald!
David
Theodor Fontane an seine Frau Emilie
Berlin, 15. Juli 1979
Liebe Freunde, es ist eine kleine niedliche Koinzidenz, dass ich auf den Arche-Literaturkalender geschaut habe, der auf Gesichtshöhe hängt, wenn man bei uns auf dem Klo sitzt. Wer schaut mich da an? Fontane. Heute hat er Geburtstag, wird 188 und ich sende ein Salut, Prost Neujahr, und verabschiede mich mit dem Hinweis: Doch! wir kümmern uns um ihn. Übrigens finde ich besonders toll, dass laut Maltes Zeit-Artikel die allermeisten Blogs Katzen gewidmet sind.
Ich hoffe, ihr sehr mir die Textmassen nach, die gestern von mir zu euch flossen und dass ihr ein schönes Sylvester habt, bis bald!
David
Zum 3. und 5. Januar: Vorstellungen
Gefragt ist…
3. Januar: Eine Vorstellung der eigenen Person. Die Fragen, die Uli und Anna aufgeworfen haben sind genau richtig! Ich habe einen längeren Text dazu verfasst, den ich vielleicht poste; das sind aber auch nur wieder meine theoretischen Überlegungen mit dekonstruktivistischem Touch, mich nervt's ja selbst schon.
Soviel: Die Idee war, dass man sich vorstellt, bevor man anfängt (gehört sich doch so). Das ›Team‹, wenn man so will; oder eben sechs Individuen. Dass es ein Problem ist, sich vorzustellen halte ich nicht nur für völlig normal, sondern für ein zentrales Motiv dieses Projektes. Da muss man leider durch. Und ich finde es signifikant und ziemlich brisant, was Anna sagt, und Uli sagt es eigentlich auch: Man stellt sich immer in einem bestimmten Kontext vor. Das ist ein Problem, und in meinem Kommentar zu Annas Kommentar habe ich schon auf das Problem hingewiesen, das ich sehe: dass man um zu verstehen eben immer einen bestimmten Zeichen-Kontext braucht. Das ist dann ein Problem, wenn es darum geht, einen bestimmten Menschen ›anzuzeigen‹. Was ich damit meine ist das große Unbehagen (das ich auch schon einmal wesentlich stärker hatte als jetzt), dass man sich vorstellt, indem man sagt: »Ich heiße … studiere … interessiere mich für …« oder »ich kenne den und den daher und deshalb bin ich (rechtmäßig) in diesem Raum, interessiere ich genug?«, »ich habe an Projekten das und das gemacht«. Man wird doch wohl zugeben, dass das an sich keine hinreichende Vorstellung eines Menschen ist. Ich finde es manchmal widerwärtig, von jemandem so vorgestellt zu werden (und manchmal ganz toll; wenn die Referenzen z.B. im entsprechenden Kontext toll sind. z.B. ich würde einer schönen Dame vorgestellt mit der Erklärung, weshalb es sich lohne, mit mir zu sprechen). Im Theaterleben-Kontext, im Unikontext, auf der Party aus Annas Post etc. ist es hinreichend, und in vielen anderen Kontexten auch. Auch bei unserer Effi-Performance? Es freut mich also, dass das Problem in diesem Zuge zum Problem wird. Und ich erneuere meine Aufforderung nur mit dem Instistieren und Verhärten: Stellt euch vor, wer ihr seid. So gut es geht. Bezug in welche Richtung auch immer, nach abgewogener Notwendigkeit; alle weiteren Fragen offen: Waffen können frei gewählt werden (und das kann auch ganz kurz sein, wenn es euch repräsentiert, wie ihr euch repräsentiert haben möchtet). Die Idee war, dass die Vorstellung am Beginn auf den ersten Satz folgt der da in meiner Phantasie hieße: »Jetzt beginnt die Vorstellung.«
5. Januar: Wie lautete denn unsere letze Vereinbarung genau, dass wir das nochmal schriftlich haben? Ungefähr so: Wir bringen ein Ergebnis mit, von was angefallen ist über die Zeit der Lektüre. Stellen etwas vor, auch mit Waffen freier Wahl. Das kann dann auch länger dauern. …Da ich von diesem Tag bereits geträumt habe, bringe ich die Verabredung, die wir kurz vor Marens Aufbruch getroffen haben, schon durcheinander. (Wir waren ungefähr zu fünfzehnt und ihr habt die Sachen vor einem Podest präsentiert, das im Sommer vor dem Comet in Hi. aufgebaut war. War ziemlich heftig, bin schweißgebadet aufgewacht.) Bitte, ich brauche eine Auffrischung.
Es grüßt herzlich:
David
3. Januar: Eine Vorstellung der eigenen Person. Die Fragen, die Uli und Anna aufgeworfen haben sind genau richtig! Ich habe einen längeren Text dazu verfasst, den ich vielleicht poste; das sind aber auch nur wieder meine theoretischen Überlegungen mit dekonstruktivistischem Touch, mich nervt's ja selbst schon.
Soviel: Die Idee war, dass man sich vorstellt, bevor man anfängt (gehört sich doch so). Das ›Team‹, wenn man so will; oder eben sechs Individuen. Dass es ein Problem ist, sich vorzustellen halte ich nicht nur für völlig normal, sondern für ein zentrales Motiv dieses Projektes. Da muss man leider durch. Und ich finde es signifikant und ziemlich brisant, was Anna sagt, und Uli sagt es eigentlich auch: Man stellt sich immer in einem bestimmten Kontext vor. Das ist ein Problem, und in meinem Kommentar zu Annas Kommentar habe ich schon auf das Problem hingewiesen, das ich sehe: dass man um zu verstehen eben immer einen bestimmten Zeichen-Kontext braucht. Das ist dann ein Problem, wenn es darum geht, einen bestimmten Menschen ›anzuzeigen‹. Was ich damit meine ist das große Unbehagen (das ich auch schon einmal wesentlich stärker hatte als jetzt), dass man sich vorstellt, indem man sagt: »Ich heiße … studiere … interessiere mich für …« oder »ich kenne den und den daher und deshalb bin ich (rechtmäßig) in diesem Raum, interessiere ich genug?«, »ich habe an Projekten das und das gemacht«. Man wird doch wohl zugeben, dass das an sich keine hinreichende Vorstellung eines Menschen ist. Ich finde es manchmal widerwärtig, von jemandem so vorgestellt zu werden (und manchmal ganz toll; wenn die Referenzen z.B. im entsprechenden Kontext toll sind. z.B. ich würde einer schönen Dame vorgestellt mit der Erklärung, weshalb es sich lohne, mit mir zu sprechen). Im Theaterleben-Kontext, im Unikontext, auf der Party aus Annas Post etc. ist es hinreichend, und in vielen anderen Kontexten auch. Auch bei unserer Effi-Performance? Es freut mich also, dass das Problem in diesem Zuge zum Problem wird. Und ich erneuere meine Aufforderung nur mit dem Instistieren und Verhärten: Stellt euch vor, wer ihr seid. So gut es geht. Bezug in welche Richtung auch immer, nach abgewogener Notwendigkeit; alle weiteren Fragen offen: Waffen können frei gewählt werden (und das kann auch ganz kurz sein, wenn es euch repräsentiert, wie ihr euch repräsentiert haben möchtet). Die Idee war, dass die Vorstellung am Beginn auf den ersten Satz folgt der da in meiner Phantasie hieße: »Jetzt beginnt die Vorstellung.«
5. Januar: Wie lautete denn unsere letze Vereinbarung genau, dass wir das nochmal schriftlich haben? Ungefähr so: Wir bringen ein Ergebnis mit, von was angefallen ist über die Zeit der Lektüre. Stellen etwas vor, auch mit Waffen freier Wahl. Das kann dann auch länger dauern. …Da ich von diesem Tag bereits geträumt habe, bringe ich die Verabredung, die wir kurz vor Marens Aufbruch getroffen haben, schon durcheinander. (Wir waren ungefähr zu fünfzehnt und ihr habt die Sachen vor einem Podest präsentiert, das im Sommer vor dem Comet in Hi. aufgebaut war. War ziemlich heftig, bin schweißgebadet aufgewacht.) Bitte, ich brauche eine Auffrischung.
Es grüßt herzlich:
David
Zusammenfassung Besprechung 20.12.07
Hallo im Dorf,
jetzt habe ich wieder eine lange theoretische Antwort gepostet. Zuerst aber zum Protokoll: Eiei, das ist schwierig, nach einer Woche, ich habs mir schon gedacht. Speicherproblem.
+ + + + + +
Es gibt ein paar Punkte, über die wir geredet haben, zu denen es Notizen gibt, aber eben nur von mir. Dazu gehört Ulis interessante Bemerkung, dass man Kommunikation als etwas zwischen Austausch und Ausschluss definieren kann. Zum Beispiel, dass zwei kommunizieren, und das andere ausschließt. Eine einfache Feststellung, die aber auf vielen Ebenen angewendet werden kann. Zum Beispiel in der noch immer ausstehenden Szenerie unseres Abends.
Dazu gehört eine Diskussion von Malte und Sandra/Anna, die eine inhaltliche war, und, wenn ich es richtig verstanden habe, auf unterschiedlichen Positionen gegenüber der Frage beruhte, ob der Anspruch auf einen einzigartigen Liebespartner heute genauso falsch wäre wie früher, oder nicht. Stimmt das?
Wir haben lange diskutiert, ob und inwieweit wir den Blog hier öffentlich machen und ob wir das publizieren. Die Einigung war: öffentlich ja, publizieren nein. Darum ist er auch seit dem 21.12. öffentlich.
Ich habe ein wildes Referat gehalten, vor allem über den Blick, als etwas, was zwischen Sprache und Körper steht. Eine andere Fusion, die ich zur Diskussion gestellt habe, wäre das gemeinsam gelutschte Bonbon. Das als ein Theorie-Praxis-Bezug, wie ich ihn mir vorstelle. Ich habe darauf hingewiesen, dass ich mir durchaus nicht eine Vorstellung vorstelle, in der diese Theoriewalze ausgefahren wird. Der Theorie-Praxis-Bezug wäre zum Beispiel das Bonbon (Farbe). Das ist etwas Theatrales an der problematisierten Frage nach der Kommunikation. Ich bitte, zum Beispiel die aufgestellten Fragen an Effi Briest und an die Kommunikation ohne Abstriche und 1:1 auch auf die Situation anzuwenden, die wir am 1.März zu produzieren gedenken: Leute einladen, und etwas vorbereitet haben. (Das gilt auch für die Auflistung unten.) Dies vielleicht auch als kleine Anregung für nächste Woche.
Ich habe außerdem auf die Phänomenologie derjenigen Instanz hingewiesen, ohne die letztlich die Briefe, und daher auch nicht die großen Entfernungen etc. möglich gewesen wären: Züge und Effis Faszination für diese großen gewaltig dahinbrausenden Dinger (mit einem Tränchen im Auge), die doch ausgerechnet von Kessin über Berlin fahren, und die man in Hohencremmen dann aus der Ferne vorbeirauschen hört. Ach!
Nicht gekommen bin ich darüber, weiter aus Fontanes Autobiografie vorzulesen, die er auf ärztliche Empfehlung geschrieben hat, um über seine Schreibkrise während Effi Briest hinwegzukommen. Da wäre also gekommen, wie seine Mama ihn mit der Drahtbürste kämmt bis das Blut kommt, getreu dem Grundsatz »›Nur nicht weichlich.‹ Dies ist gewiss ein sehr guter Grundsatz und ich mag ihn nicht tadeln, trotzdem er mir nichts geholfen und zu meiner Abhärtung nichts beigetragen hat; aber wie man sich dazu stellen möge, meine Mutter ging im Hartanfassen dann und wann etwas zu weit. … Freilich, wenn ich, was möglich ist, dieser Prozedur verdanken sollte, dass ich immer noch einen bescheidenen Bestand von Haar habe, so habe ich nicht umsonst gelitten und bitte reumütig ab.« (Meine Kinderjahre) Es gibt 'ne Menge sehr deutlicher Bezüge zwischen der Autobiografie und Effi Briest! Und ich muss einfach gestehen, dass ich etwas für diesen Humor übrig habe.
Vorgeschlagen habe ich außerdem eine Ordnung in unsere Möglichkeiten (nach Belieben anfechtbar). Das ist noch divers; wir kommen bis Mitte Januar in eine klare Richtung:
FORMEN
Zur Zusammenfassung wichtiger Momente (außer, dass es sehr angenehm war in mit Euch in meinem Salon) gehört aber noch viel anderes. Zum Beispiel, dass Malte angab, eigentlich keine Schwierigkeiten zu haben. Und ich gebe zu, dass meine Erinnerung in Bezug auf diesen Abend nicht nach dem Prinzip der Linie sondern nach dem Prinzip des Haufens funktioniert. Bei der nächsten Diskussion sollte anständig dokumentiert werden. Weihnachten war im Weg. – Abgesehen davon, dass ich glaube, dass nichts weg ist, und dass im Moment noch alles Zeit hat, wieder nach oben gespült zu werden: hat noch jemand mehr? dann schreibt's.
…Jessas, jetzt kommts aber zackizacki. Nächster ewiglanger Post ist schon abschussbereit. Eine schicke Ausdruckfunktion bei blogger.com habe ich noch nicht gefunden.
jetzt habe ich wieder eine lange theoretische Antwort gepostet. Zuerst aber zum Protokoll: Eiei, das ist schwierig, nach einer Woche, ich habs mir schon gedacht. Speicherproblem.
+ + + + + +
Es gibt ein paar Punkte, über die wir geredet haben, zu denen es Notizen gibt, aber eben nur von mir. Dazu gehört Ulis interessante Bemerkung, dass man Kommunikation als etwas zwischen Austausch und Ausschluss definieren kann. Zum Beispiel, dass zwei kommunizieren, und das andere ausschließt. Eine einfache Feststellung, die aber auf vielen Ebenen angewendet werden kann. Zum Beispiel in der noch immer ausstehenden Szenerie unseres Abends.
Dazu gehört eine Diskussion von Malte und Sandra/Anna, die eine inhaltliche war, und, wenn ich es richtig verstanden habe, auf unterschiedlichen Positionen gegenüber der Frage beruhte, ob der Anspruch auf einen einzigartigen Liebespartner heute genauso falsch wäre wie früher, oder nicht. Stimmt das?
Wir haben lange diskutiert, ob und inwieweit wir den Blog hier öffentlich machen und ob wir das publizieren. Die Einigung war: öffentlich ja, publizieren nein. Darum ist er auch seit dem 21.12. öffentlich.
Ich habe ein wildes Referat gehalten, vor allem über den Blick, als etwas, was zwischen Sprache und Körper steht. Eine andere Fusion, die ich zur Diskussion gestellt habe, wäre das gemeinsam gelutschte Bonbon. Das als ein Theorie-Praxis-Bezug, wie ich ihn mir vorstelle. Ich habe darauf hingewiesen, dass ich mir durchaus nicht eine Vorstellung vorstelle, in der diese Theoriewalze ausgefahren wird. Der Theorie-Praxis-Bezug wäre zum Beispiel das Bonbon (Farbe). Das ist etwas Theatrales an der problematisierten Frage nach der Kommunikation. Ich bitte, zum Beispiel die aufgestellten Fragen an Effi Briest und an die Kommunikation ohne Abstriche und 1:1 auch auf die Situation anzuwenden, die wir am 1.März zu produzieren gedenken: Leute einladen, und etwas vorbereitet haben. (Das gilt auch für die Auflistung unten.) Dies vielleicht auch als kleine Anregung für nächste Woche.
Ich habe außerdem auf die Phänomenologie derjenigen Instanz hingewiesen, ohne die letztlich die Briefe, und daher auch nicht die großen Entfernungen etc. möglich gewesen wären: Züge und Effis Faszination für diese großen gewaltig dahinbrausenden Dinger (mit einem Tränchen im Auge), die doch ausgerechnet von Kessin über Berlin fahren, und die man in Hohencremmen dann aus der Ferne vorbeirauschen hört. Ach!
Nicht gekommen bin ich darüber, weiter aus Fontanes Autobiografie vorzulesen, die er auf ärztliche Empfehlung geschrieben hat, um über seine Schreibkrise während Effi Briest hinwegzukommen. Da wäre also gekommen, wie seine Mama ihn mit der Drahtbürste kämmt bis das Blut kommt, getreu dem Grundsatz »›Nur nicht weichlich.‹ Dies ist gewiss ein sehr guter Grundsatz und ich mag ihn nicht tadeln, trotzdem er mir nichts geholfen und zu meiner Abhärtung nichts beigetragen hat; aber wie man sich dazu stellen möge, meine Mutter ging im Hartanfassen dann und wann etwas zu weit. … Freilich, wenn ich, was möglich ist, dieser Prozedur verdanken sollte, dass ich immer noch einen bescheidenen Bestand von Haar habe, so habe ich nicht umsonst gelitten und bitte reumütig ab.« (Meine Kinderjahre) Es gibt 'ne Menge sehr deutlicher Bezüge zwischen der Autobiografie und Effi Briest! Und ich muss einfach gestehen, dass ich etwas für diesen Humor übrig habe.
Vorgeschlagen habe ich außerdem eine Ordnung in unsere Möglichkeiten (nach Belieben anfechtbar). Das ist noch divers; wir kommen bis Mitte Januar in eine klare Richtung:
FORMEN
- Erzählen / Erklären (face-to-face)
- Vorgänge
- Kostüm tragen (ich versuche original 19.-Jhd. Kluft zu bekommen. Als Vorgang zu verstehen, da muss man nichts dazu machen, kann man einfach anhaben. Fänd ich toll.
- Fahrradfahren
- Sachen dahaben, benutzen, kaputtmachen. Einen Tisch z.B. mit einer Büste, unseren echten privat gehorteten Briefen in Stapeln (die würde ich gerne schreiend durch den Raum tragen), Radio usw. Der Tisch übrigens als ein materialisierter Abstandhalter zum Publikum. Mein Blickreferat enthielt die These, dass Kommunikation nur und ausschließich auf Distanz möglich ist. Daher das Bonbon als leckeres Rätsel.
- Interagieren (wir oder Publikum)
- Telefonieren
- Briefe schreiben
- Szenen spielen (zur Demonstration! Etwas zeigen.)
- Interviews führen
- Zwischenschaltung verschiedener Medien (zum Beispiel ein Mikro, ein anderer Mensch oder ein Telefon etc.) Als Repräsentation / Live-Analogiebildung zu Problematiken der Medialität (dem Briefeschreiben natürlich etc.). Whatever you suppose is a medium.
- Effi-Briest-Themen
- Briefe und alles was dazugehört
- Raum (/Raumtheorie, /Medientheorie /Philosophie)
- Adoleszenz vs. Infantilität (Psychoanalyse, Philosophie)
- degenerierte Preußengesellschaft vs. Natürlichkeit und was soll das sein (Sozial-, Geschichtswissenschaft, Philosophie etc.)
- …
- Briefe und alles was dazugehört
- Beschäftigung, echte Themen
- s.o. in den Klammern
- Beschreibung von -, Spiel mit -, Dekonstruktion von Kommunikation. Dazu gehört in erster Linie der Brief und alles was dazugehört. Zum Beispiel das Telefonat und das Weblog.
- …
Zur Zusammenfassung wichtiger Momente (außer, dass es sehr angenehm war in mit Euch in meinem Salon) gehört aber noch viel anderes. Zum Beispiel, dass Malte angab, eigentlich keine Schwierigkeiten zu haben. Und ich gebe zu, dass meine Erinnerung in Bezug auf diesen Abend nicht nach dem Prinzip der Linie sondern nach dem Prinzip des Haufens funktioniert. Bei der nächsten Diskussion sollte anständig dokumentiert werden. Weihnachten war im Weg. – Abgesehen davon, dass ich glaube, dass nichts weg ist, und dass im Moment noch alles Zeit hat, wieder nach oben gespült zu werden: hat noch jemand mehr? dann schreibt's.
…Jessas, jetzt kommts aber zackizacki. Nächster ewiglanger Post ist schon abschussbereit. Eine schicke Ausdruckfunktion bei blogger.com habe ich noch nicht gefunden.
29.12.2007
Lektürenotiz: Hausstand
Kollegs und Kollegas, ich bin jetzt auch wieder anwesender. Ach! diese Familie, wie ich doch gerne hier bin, aber zum Arbeiten ist es nicht gut: der Hausstand ist sehr belebt. Nun habe ich mich ins kleine Zimmer gedrängt und beginne erstmal mit einer kleinen Lektürenotiz. Es wird folgen: Ein Bericht über meine Erinnerungen an das letzte Treffen. (Ich hoffe, dass ihr noch ein bisschen anfügen könnt, was ihr für wichtig erinnert). Außerdem folgt Kommentar für die von mir frohlockend gelesenen letzten Einträge und mehr zur Vorstellung einer Vorstellung vor der Vorstellung.
Kleine Notiz zum Wort Hausstand
»Ich bin aber sicher, daß das alles besser wird, wenn unser Hausstand sich belebt.« (erster langer Brief a. d. Mutter)
Kleine Notiz zum Wort Hausstand
»Ich bin aber sicher, daß das alles besser wird, wenn unser Hausstand sich belebt.« (erster langer Brief a. d. Mutter)
- Der Hausstand meint irgendwie den Haushalt, also auch die Besorgungen etc. Aber es meint auch irgendwie das installierte eheliche Zuhause, wenn ich es richtig verstehe. Das, was die Braut mitbringt, in Kombination mit dem, was der Mann schon dagehabt hat und dem, was man gemeinsam anschafft, um zusammen zu wohnen: also die Ehe zu vollziehen und mit der Wohn-Statt das Materielle in die Ehe ›einzuschreiben‹. Das wird installiert. Und dann muss es sich beleben: weil die Ehe anfängt ›zu sein‹, also zu leben.
- »Der Hausstand« repräsentiert (steht symbolisch für) die Festigkeiten des Tradierten. Eine Festigkeit, die sich im Zeugs vergegenständlicht, mit dem man sich einrichtet. Man fügt es in sein Wohn-Ich ein.
- Die preußische Heirat ist Resultat und Fundament der Tradition, und man installiert diese Tradition, indem man sich mit ihr buchstäblich einrichtet. – Um dann zu hoffen, dass es sich belebt.
- Dass es sich beleben müsste (und dann würde alles besser), ist mehr als ein Wunsch. Es ist fast eine natürliche Erwartung. Das ist (soll sein) Effis Natur. Besonders ist eben, dass Effi mit der gleichen Blauäugigkeit (Natürlichkeit?) eine Belebung wünscht, mit der sie auch im Rhabarber herumsprang, in die Ehe ging usw. (Diese Ambivalenz ist auch mit der Infantil/Erwachsen-Dichotomie gemeint.)
- Allerdings: warum sollte sie sich nicht (wie es sich eben gehört) den Hausstand ›hinstellen‹ und dann (er)warten, dass er sich von selbst belebt? Da er (und alles was er symbolisiert) es aber nicht tut, wird eben sie sich bewegen. Da es eine echte, natürliche Bewegung sein soll, ist es eine Davon-Bewegung: weg vom Hausstand.
28.12.2007
Vorstellung
Ich hole Davids Vorschlag, wir könnten uns am 3. Januar vorstellen, aus der Kommentarversenkung.
Und zwar gebe ich offen zu, dass ich nicht weiss, was ich an mir vorstellen soll. Ich? Ist das meine Vergangenheit? Vor so etwas habe ich Angst. Schon die Sache mit dem Namen googlen macht mich fertig, potenziell jedenfalls. Das auch als Antwort auf Maltes Hinweis auf den Zeit Artikel, den ich genau 15 Minuten vorher auch gelesen hatte.
Ich suche also nach einem Verhältnis von mir zu Effi, irgendwas, das ich, das wir, in Zusammenhang bringen können. Damit man etwas zum vorstellen hat.
Gibt es da Vorschläge?
Im Übrigen finde ich die Blog Angelegenheit ganz lustig. Wie email nur schöner geordnet.
Und zwar gebe ich offen zu, dass ich nicht weiss, was ich an mir vorstellen soll. Ich? Ist das meine Vergangenheit? Vor so etwas habe ich Angst. Schon die Sache mit dem Namen googlen macht mich fertig, potenziell jedenfalls. Das auch als Antwort auf Maltes Hinweis auf den Zeit Artikel, den ich genau 15 Minuten vorher auch gelesen hatte.
Ich suche also nach einem Verhältnis von mir zu Effi, irgendwas, das ich, das wir, in Zusammenhang bringen können. Damit man etwas zum vorstellen hat.
Gibt es da Vorschläge?
Im Übrigen finde ich die Blog Angelegenheit ganz lustig. Wie email nur schöner geordnet.
27.12.2007
test
liebe kollegen!
dies mein erstes blog-posting:
so post I it!
lektüre effi heut erstanden. erstes extrakt:
warum ist thomas mann der meinung:
"Eine Romanbibliothek der rigorosesten Asuwahl, und beschränkte man sie
auf zehn, auf sechs - sie dürfte 'Effi Briest' nicht vermissen lassen."
this is to be found out!
briefgruss euch!
maren
dies mein erstes blog-posting:
so post I it!
lektüre effi heut erstanden. erstes extrakt:
warum ist thomas mann der meinung:
"Eine Romanbibliothek der rigorosesten Asuwahl, und beschränkte man sie
auf zehn, auf sechs - sie dürfte 'Effi Briest' nicht vermissen lassen."
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briefgruss euch!
maren
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